Ein weitgehend eingedämmtes Virus und eine gut getimte Medienberichterstattung, die andeutete, dass die politischen Entscheidungsträger grünes Licht für höhere Aktienkurse geben würden, sorgten für eine Rotation von Anleihen in Aktien.
2) Markt antizipierte Anstieg des Anleihenangebots. Die chinesische Regierung steckte hinter dem wirtschaftlichen Aufschwung. Als Folge der Stimulierungsmaßnahmen stieg das Budgetdefizit um 4–5 %, entsprechend sehen wir einen Anstieg der Emission von Anleihen des öffentlichen Sektors.
Vorausschauende Anleger reduzierten ihr Engagement im Vorfeld. Wir gehen davon aus, dass das Angebot an Anleihen mindestens bis Oktober 2020 hoch bleiben wird, aber wir glauben auch, dass der Anleihenmarkt das zusätzliche Angebot bereits eingepreist hat.
3) Die Zentralbank signalisierte eine neutrale Politik – keine weitere Lockerung. Im Gegensatz zur Fed und anderen großen Zentralbanken hat sich die People’s Bank of China (PBOC) bei der Lockerung der Geldpolitik keinen „Was auch immer notwendig ist“-Ansatz gewählt. Zwar wurden die Zinsen gesenkt wie etwa der Zinssatz für einjährige mittelfristige Kredite von 3,30 % im November 2019 auf derzeit 2,95 %. Doch das erscheint moderat gemessen an der Zinssenkung der Fed um 150 Basispunkte. Was die Verfügbarkeit von kurzfristiger Liquidität im Bankensystem betrifft, so waren die Offenmarktgeschäfte der PBOC recht ausgewogen, und die Liquidität wurde sogar ein wenig eingeschränkt.
Und der Ausblick?
Da wir glauben, dass die Renditen chinesischer Staatsanleihen diese drei Triebkräfte weitgehend widerspiegeln, glauben wir, dass die weitere Entwicklung vom Konjunkturtrend abhängen wird. Unserer Ansicht nach wird die chinesische Wirtschaft im Jahr 2020 und darüber hinaus eine weitere Lockerung benötigen. Wir rechnen mit weiteren Senkungen des Mindestreservesatzes (RRR) und geringfügigen Senkungen der Leitzinsen bis Ende des Jahres.
Die Inflation ist nach wie vor negativ, die Arbeitslosenzahlen werden wahrscheinlich hoch bleiben, und das Exportvolumen und die Einzelhandelsumsätze werden sich wahrscheinlich nur zögerlich erholen. In diesem Umfeld besteht unserer Meinung nach Spielraum für höhere Anleihenkurse, um sich für eine Rückkehr zur Lockerung der Geldpolitik und zusätzliche Liquiditätsspritzen zu positionieren. Wenn sich dieses Szenario bewahrheitet, werden die chinesischen Anleihenrenditen wahrscheinlich sinken und sich damit ihren globalen Pendants etwas annähern.
Der Renminbi: Stabil mit leichtem Aufwärtspotenzial
Da sich die PBOC auf gezielte Lockerungen konzentriert, wie etwa bei der Kreditvergabe an kleine und mittlere Unternehmen, haben sich die Zinsunterschiede erheblich ausgeweitet, wodurch der Renminbi (RMB) unterstützt wird. Die Währung hat darauf noch nicht reagiert, was die Zuflüsse in Chinas Finanzmärkte fördern dürfte.
Das lässt Raum für eine weitere Aufwertung des RMB erwarten. Tatsächlich ist Chinas Währung in jüngster Zeit hinter den Währungen mehrerer seiner Handelspartner zurückgeblieben und befindet sich nun im mittleren oder unteren Segment seiner Handelsspanne. Unsere langfristigen Bewertungsmessungen für den RMB deuten ebenfalls darauf hin, dass er unterbewertet ist (Abbildung).